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Biografien von Chemikerinnen

Biografie Kobel

Biografie Kobel

Maria Kobel (1897-1996): Der „Beilstein“ ist auch ihr Werk

Von Berlin nach Frankfurt am Main: Die Biochemikerin Maria Kobel wirkte über drei Jahrzehnte an „Beilsteins Handbuch für organische Chemie“ mit.

Maria Kobel wurde am 5. August 1897 als ältestes von zehn Geschwistern im niederschlesischen Liegnitz (heute polnisch Legnica) geboren. Sie studierte von 1918 bis 1921 in Breslau (heute polnisch Wroclaw) Chemie und wurde 1921 mit der Arbeit „Über die in der Literatur als Glyoxylharnstoff bezeichneten Stoffe“ promoviert. Noch im selben Jahr siedelte sie nach Berlin um.

Ihre ausgezeichneten Studien- und Promotionsleistungen blieben nicht unbemerkt und sie erhielt im Jahr 1924 eine Anstellung bei dem Biochemiker Carl Neuberg (1877-1956), einem Schüler von Alfred Wohl (1863-1939), am Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für experimentelle Therapie in Berlin-Dahlem. Kurze Zeit später wurde das Institut in KWI für Biochemie umbenannt. Von 1929 bis 1936 leitete Kobel dort die Abteilung für Tabakforschung.

Neuberg war bis zu seiner Entlassung im Jahr 1934 und der Vertreibung aufgrund seiner jüdischen Herkunft Kobels wissenschaftlicher Mentor. Ihr gemeinsamer Forschungsschwerpunkt lag auf den Phosphorsäureestern des Glycerols (Trivialname Glycerin). Kobel und Neuberg veröffentlichten zusammen Fachartikel mit Titeln wie „Phosphorsäureester des Kohlenhydratstoffwechsels“ oder „Die Fermente und ihre Wirkungen“. In Neubergs umfangreicher Publikationsliste fällt auf, dass sich an seinen Veröffentlichungen oft Frauen beteiligten. Im Vergleich zu anderen Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft waren an Neubergs Institut mehr Wissenschaftlerinnen tätig. Außerdem wurden am KWI für Biochemie relativ viele Studentinnen promoviert. Kobel blieb ihrem Mentor bis zu dessen Tod im Jahr 1956 freundschaftlich verbunden.

Noch vor seiner Emigration gelang es Neuberg, Kobel am „Hofmann-Haus“ in Berlin unterzubringen. Das Haus in der Sigismundstraße 4 war bis 1945 Sitz der Deutschen Chemischen Gesellschaft, die August Wilhelm von Hofmann (1818-1892) mitgegründet hatte. Von Kobels wissenschaftlicher Schaffenskraft zeugen ihre Abhandlungen, die sie unter anderem in dem 1941 erschienenen vierbändigen Handbuch „Methoden der Fermentforschung“ veröffentlichte.

Von 1941 an war Kobel Mitarbeiterin und später Abteilungsleiterin in der Redaktion von „Beilsteins Handbuch der organischen Chemie“. Das von Chemikern kurz als „Beilstein“ bezeichnete Werk ist ein umfassender Katalog von Verbindungen der organischen Chemie, der heute als Beilstein-Datenbank weitergeführt wird. Mit Unterstützung des Frankfurter Nobelpreisträgers Otto Hahn (1879-1968) wurde 1951 in Frankfurt am Main das Beilstein-Institut in Form einer Stiftung gegründet. Als Mitarbeiterin des Instituts gestaltete Kobel den „Beilstein“ mit. Bis Mitte der 1970er Jahre wird sie noch als Autorin und Herausgeberin von Beilsteins Handbuch der Organischen Chemie genannt.

Maria Kobel verstarb kurz nach ihrem 99. Geburtstag am 14. August 1996 in Kronberg im Taunus.

Quellen
H. Conrads, B. Lohff: Carl Neuberg – Biochemie, Politik und Geschichte. Lebenswege und Werk eines fast verdrängten Forschers, Steiner, Stuttgart, 2006
M. Engel: Geschichte Dahlems, Berlin-Verlag, Berlin, 1984
A. Vogt: Wissenschaftlerinnen in Kaiser-Wilhelm-Instituten A-Z, 2. erweiterte Auflage, Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, 2008, S. 98-100
E. Baman, K. Myrbäck (Herausgeber): Die Methoden der Fermentforschung, vier Bände, Thieme, Leipzig, 1941

Autoren
Prof. Dr. Eberhard Ehlers
Prof. Dr. Heribert Offermanns

Redaktionelle Bearbeitung
Dr. Uta Neubauer

Projektleitung
Dr. Karin J. Schmitz (GDCh-Öffentlichkeitsarbeit)

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