Was ist eigentlich... Adrenalin?

24.05.2019

Ein Molekül macht Karriere

Open Air-Konzerte mit Tausenden von Fans: für den Künstler „Adrenalin pur“.
Bungee Jumping: die „Adrenalin‐Eigentherapie“
Formel 1 Rennen für Fahrer und Zuschauer: „ein Adrenalin‐Kick“
Bundesliga im Meisterkampf: „Adrenalin bis zum Anschlag“.

Skispringen, Snowboarden und viele andere Events mehr haben bei der Berichterstattung Adrenalin zu einem Lieblingswort der Medien gemacht. Kaum ein Artikel über künstlerische oder sportliche Ereignisse, ohne diesen Begriff zu strapazieren! Jeder kann sich angeblich darunter etwas vorstellen; es hat mit der Reaktion des Körpers auf Angst, Schrecken, Erwartung, Erfolg zu tun – doch was ist Adrenalin eigentlich und was spielt sich im Organismus in Stress‐Situationen ab?

Körpereigenes Doping

Adrenalin, auch Epinephrin genannt, war eine der ersten, aus dem menschlichen Organismus gewonnenen, chemischen Verbindungen mit bedeutender pharmakologischer Wirkung. Aus wässrigen Extrakten der Nebenniere (lat. ad – zu, renes‐Nieren) wurde Adrenalin 1901 von dem japanischen Wissenschaftler Takamine Jōkichi in kristalliner Form erhalten. Die Bestimmung der Struktur (1902, Albrich) und die chemische Synthese (1904, Stolz) gelangen wenig später. Adrenalin zählt zu den Hormonen, Botenstoffen, die im Organismus in geringsten Mengen synthetisiert werden. Sie übermitteln an mehr oder weniger entfernte „Erfolgsorgane“ Signale und üben auf deren Funktion eine wichtige Steuerung aus. So wird bei Stress‐Situationen Adrenalin ins Blut ausgeschüttet und bewirkt eine Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck, eine Erweiterung der Bronchien, eine schnelle Bereitstellung von Energiereserven durch Fettabbau und Biosynthese von Traubenzucker. Stress kann durch die Wirkweise des Adrenalins ein „körpereigenes Doping“ auslösen, d.h. schnell Energie bereitstellen, den Stoffwechsel in den Zellen steigern und so erhöhte Einsatzbereitschaft des Organismus für Arbeit, Angriff oder Flucht bewirken. Da Adrenalin aber schnell abgebaut wird, ist seine Wirkung im Körper nur von kurzer Dauer.

Wichtig in der Medizin

https://cdn.gdch.de/prod/Adrenalin_wikipedia_c132d84921.svg

Quelle: NEUROtiker, Adrenalin, Wikimedia Commons (gemeinfrei)

Chemisch gehört Adrenalin wie die verwandten Hormone Noradrenalin und Dopamin in die Gruppe der Katecholamine. Bei gleicher Summenformel gibt es zwei räumliche Strukturen
(R,S‐Enantiomere), die sich wie Bild und Spiegelbild verhalten. In der Natur kommt (R)‐Adrenalin vor.

In der Medizin wird Adrenalin vor allem als Notfallmedikament zur Wiederbelebung bei Herzstillstand eingesetzt. Auch dient es zur Behandlung eines Kreislaufschocks beispielsweise bei allergischen Reaktionen oder Blutvergiftung. Weitere Verwendung findet Adrenalin zur Stillung oder Verhütung von Blutungen im Nasen‐, Mund‐ und Rachenraum. Wegen der Blutgefäßverengenden Wirkung wird Adrenalin zusammen mit örtlichen Betäubungsmitteln injiziert; so wirken diese länger und es reichen kleinere Dosen. Auf dieser Eigenschaft beruht auch die zum Schließen von Cuts im Boxsport eingesetzte kühlende und mit Adrenalin angereicherte Salbe.

Adrenalin – also eine vielseitige, hoch wirksame Substanz, der wir unser tägliches Überleben verdanken, auch wenn wir nicht gerade am Fallschirm hängen!

Der Beitrag wurden vom Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit der Seniorexperten Chemie, einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker, erstellt.
Autorin: Dr. Ursula Kraska (bearbeitet durch kjs)

In der Reihe „Was ist eigentlich…“ stellen wir in leicht verständlicher Form chemische Substanzen vor, die jeder kennt oder fast jeder benutzt. Alle Beiträge der Reihe: https://faszinationchemie.de/chemie-ueberall

Tags

Faszination Chemie
Verwandte Artikel
Was ist eigentlich... Adrenalin?
In Kürze
Was ist eigentlich... Adrenalin?
Ehrungen, Karriere
Was ist eigentlich... Adrenalin?
Aus den Fachgruppen
Was ist eigentlich... Adrenalin?
EuChemS Policy Workshop „PFAS”
Was ist eigentlich... Adrenalin?
Bafög beantragen

Das könnte Sie auch interessieren

GDCh-Mitglieder exklusiv

Artikel • Nachrichten aus der Chemie

In Kürze

GÖCH

Termin vormerken: Generalversammlung am 21. September Die diesjährige Generalversammlung ist im Rahmen der Chemietage am...

30.04.2026
GDCh-Mitglieder exklusiv

Artikel • Nachrichten aus der Chemie

Ehrungen, Karriere

Service

Ehrungen Finnian Freeling, Dr.: Promotionspreis Wasserchemie der Wasserchemischen Gesellschaft, Fachgruppe der GDCh, für...

30.04.2026
GDCh-Mitglieder exklusiv

Artikel • Nachrichten aus der Chemie

Aus den Fachgruppen

GDCh

Bauchemie Neuer Vorstand Die GDCh-Fachgruppe Bauchemie hat ihren Vorstand für die Amtszeit 1. Januar 2026 bis 31. Dezemb...

30.04.2026