Meinungsbeitrag

Die Perspektive des Nicht‐Chemikers

01.12.2021

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Das Kerngeschäft der Chemie- und Pharmaindustrie beruht auf exzellenten Naturwissenschaftler:innen. Forschung, Entwicklung und Produktion würden ohne diese Talente nicht funktionieren – weder bei uns bei Bayer noch anderswo. Doch schon früh in meinem Berufsleben habe ich gemerkt: Um Strategien zu verstehen und zu entwickeln, Menschen zu befähigen, ihr Bestes zu geben und ihre Komfortzone zu verlassen, braucht es nicht zwingend ein Studium der Naturwissenschaften.

Meine Reise bei Bayer – als diplomierter Kaufmann – begann nach einem Auslandsaufenthalt 2001 in Berlin. Mein Ziel war es, international tätig zu sein und mit möglichst vielen unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Mit diesem Ziel im Kopf war vor 20 Jahren Schering in Berlin der beste Arbeitgeber. Nachdem ich das Traineeprogramm abgeschlossen hatte, übernahm ich verschiedene leitende Positionen in der Logistik, im Business Support und in der Produktion. 2013 wurde ich dann zum ersten Mal Standortleiter – für Bayer in Weimar. Danach war ich Standortleiter in Brasilien; seit April leite ich nun den Standort Wuppertal.

Während meiner Stationen in der Chemie- und Pharmaindustrie habe ich immer wieder Wandel kennengelernt, begleitet und ab einem gewissen Zeitpunkt in meiner Karriere auch führend vorangetrieben. An meinem Standort in Wuppertal stehen uns – genau wie unserer Konkurrenz – Herausforderungen bevor, die wir nicht unterschätzen sollten:

In der chemischen Industrie fällt es uns immer noch schwer, zu identifizieren, wie wir Digitalisierung optimal nutzen und effizient einsetzen können. Wir erleben zunehmend einen starken Wettbewerb aus China und Indien. Hier müssen wir uns überlegen, wie wir uns positionieren. Auch die Frage, wie wir als traditionelle Konzerne in einer traditionellen Industrie agiler werden können – nicht nur technisch, sondern auch kulturell – wird ein prägendes Thema sein.

Diese Herausforderungen bieten aber auch große Chancen. Als Standortleiter gilt es, sie zu steuern – im Verbund mit dem Leitungsteam, dem gesamten Standort und dem Netzwerk innerhalb der Firma sowie darüber hinaus. Ich muss wissen, worauf es bei Audits ankommt, welche Anforderungen Good Manufacturing Practice (GMP) an uns stellt und wie unsere Produktpalette aussieht. Die Schlüsselkompetenzen eines Standortleiters oder einer Standortleiterin sind aber vor allem die Folgenden:

Ich muss verstehen, wohin wir den Standort entwickeln möchten. Außerdem lege ich Vertrauen in mein Führungsteam und alle anderen Kolleg:innen, dass sie ihren Job gut machen. Es gilt gemeinsam mit den Menschen am Standort eine Atmosphäre zu schaffen, in der wir uns alle einbringen und entfalten können. Eine meiner Hauptaufgaben ist, verschiedene Perspektiven zu hören und in den Diskurs zu integrieren.

Ich bin überzeugt davon, dass die Perspektive als Nicht-Chemiker dabei hilfreich sein kann. Aber klar ist auch: Diese Perspektive in leitender Funktion kann ein Chemie-Standort wie in Wuppertal nicht zu jeder Zeit gebrauchen; jede Organisation durchlebt Phasen. Da braucht es mal einen Schwerpunkt auf chemischem und mal auf kulturellem und betriebswirtschaftlichem Knowhow. Beides funktioniert nur im Team.

Daher möchte ich gerne alle ermutigen: Egal, ob Sie bisher eine fachtypische Karriere verfolgt haben oder aus einer anderen Richtung kommen – wichtig ist, dass Sie Spaß an dem haben, was Sie tun, ein Gespür für Menschen haben, Zusammenhänge schnell verstehen können und Ihr Umfeld für Ihre Ideen und Pläne gewinnen können.

Maik Eckelmann, Leiter des Bayer-Standorts Wuppertal mit etwa 3100 Mitarbeiter:innen in Forschung, Entwicklung und Produktion

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