Meinungsbeitrag

Die gemeinsame Sprache der Chemie

31.10.2023

Von Wiley-VCH zur Verfügung gestellt

Ein Leitartikel von Greta Heydenrych

Alle zwei Jahre veranstaltet die Iupac, die International Union of Pure and Applied Chemistry, in Zusammenarbeit mit einem unserer Mitgliedsverbände den Weltchemiekongress, im August dieses Jahres etwa in Den Haag. In den Gesprächen und Vorträgen wurde deutlich, dass sich die gesamte Chemie im Umbruch befindet, getrieben durch die digitale Revolution. Die meisten Chemiker haben von digitalen Standards – wie den Fair-Daten – gehört, viele wenden sie bereits an, aber für viele ist dies immer noch ein abstrakter Begriff. (Fair steht übrigens für findability, accessibility, interoperability und reusability.)

Hier kann die Iupac einen Beitrag leisten: Als globale Organisation für Standards in der Chemie kümmert sie sich traditionell um Namenskonventionen. Nun ist sie dabei, Werkzeuge, Standards und Richtlinien zu entwickeln, mit denen Chemiker nicht nur ihre eigenen Daten Fair machen, sondern auch zur Digitalisierung der Chemie beitragen. Ein zentrales Vorhaben ist das WorldFair-Projekt, initiiert vom Internationalen Wissenschaftsrat. Die Iupac vertritt die chemischen Wissenschaften und entwickelt mit anderen Bereichen wie Physik, Geologie und Biologie nicht nur einen soliden Ansatz für digitale Standards innerhalb der Chemie selbst, sondern achtet auch darauf, dass diese Standards mit denen angrenzender Fachbereiche übereinstimmen und sich überschneiden.

Die Iupac arbeitet auch direkt mit Organisationen zusammen, die Standardanwendungen entwickeln. Am bekanntesten ist wohl der International Chemical Identifier (InChI), der als ein Iupac-Projekt begann und nun vom InChI Trust gepflegt wird. In jüngster Zeit hat die Iupac auch eng mit NFDI4Chem zusammengearbeitet. NFDI steht für Nationale Forschungsdateninfrastruktur, das Ziel ist eine kohärente digitale Infrastruktur für Forschungsdaten.

Die gesamte Arbeit der Iupac zu Normen, Symbolen, Terminologie und Nomenklatur steht jedem frei zur Verfügung, um sie bei der eigenen Arbeit anzuwenden. Sie können die Online-Version des Iupac Gold Book konsultieren oder die neuesten Empfehlungen in der Iupac-Zeitschrift Pure and Applied Chemistry nachlesen.

Wer macht all diese Arbeit? Die einfache Antwort: Sie! Die Iupac ist eine von der Gemeinschaft getragene Organisation. Unsere Arbeit wird von Freiwilligen aus der gesamten Chemie geleistet; das Iupac-Sekretariat unterstützt mit einem Team von vier Personen. Jeder, der einen chemischen Hintergrund hat, kann sich an den Aktivitäten der Iupac beteiligen, Sie müssen kein Nomenklaturexperte oder Datenwissenschaftler sein. Wenn Sie Freude an der Lehre und der Öffentlichkeitsarbeit haben, bietet die Iupac auch Programme an, die von Sicherheitsschulungen für Industriechemiker bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit für Lehrer in Schwellenländern reichen. Wenn Sie eine soziale Ader haben, können Sie eine GWB-Veranstaltung organisieren. GWB steht für Global Women‘s Breakfast – nächstes Jahr findet es unter dem Motto „Catalysing Diversity in Science“ am 27. Februar statt. Es ist übrigens keine reine Frauenveranstaltung (und auch nicht zwingend ein Frühstück), sondern offen für alle, die daran interessiert sind, Brücken innerhalb der globalen Chemiegemeinschaft zu bauen. Informationen darüber, wie Sie eine GWB-Veranstaltung organisieren können, finden Sie in unserem Leitfaden.

Kurz gesagt: Im Umbruch der Digitalisierung bleibt die Iupac die globale Organisation für Datenstandards. Eingebettet in die Chemie-Community lädt sie jeden ein, sich einzubringen – sei es als Datenexperte, als Normungsnerd, als Verfechter der Bildung oder als Brückenbauer zwischen Fachgebieten und Regionen unserer Welt oder Fächern innerhalb unseres eigenen Fachgebietes und angrenzend daran. Wenn Sie mehr erfahren möchten, besuchen Sie unsere Website oder wenden Sie sich an mich. Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.

Greta Heydenrych, PhD, ist Executive Director der Iupac. gheydenrych@iupac.orgimage

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