Die erste Chemikerin bei der BASF

Lili Wachenheim (geb. 1893, Sterbedatum unbekannt)

Eberhard Ehlers et al.

11.02.2022

Nach dem Chemiestudium mit Promotion in Heidelberg und einem Forschungsaufenthalt in Hannover trat Lili Wachenheim im Jahr 1918 als erste Chemikerin eine Stelle bei BASF an. Doch schon im selben Jahr schied sie nach ihrer Heirat wieder aus dem Unternehmen aus. Ihre Spur verliert sich ganz, als sie in den 1930er-Jahren mit ihrer Familie in die USA emigrierte.

Lili Wachenheim wurde am 23. April 1893 in Mannheim geboren. Sie studierte an der Universität Heidelberg Chemie und wurde 1916 mit der Arbeit „Über das Zerfallsgewicht von Nitrosylchlorid“ promoviert. Nach einer Assistenzzeit bei Max Bodenstein (1871-1942) am Elektrochemischen Institut der Technischen Hochschule Hannover wurde sie am 2. Januar 1918 als erste Chemikerin bei BASF eingestellt. Sie arbeitete im Ammoniak-Laboratorium, das unter der Leitung von Alwin Mittasch (1869-1953) stand. Mittasch war ein Chemiker sorbischer Herkunft, der vor allem durch seine bahnbrechenden Arbeiten zur Katalysatorentwicklung für die Ammoniak-Synthese nach dem Haber-Bosch-Verfahren bekannt wurde.

Der erste Forschungsbericht von Wachenheim trägt den Titel „Über die Einwirkung von Stickstoffdioxyd auf Wasser und Salpetersäure in verschiedener Konzentration“ und datiert auf den 11. März 1918. Zwei weitere Forschungsberichte folgten. Zum Ende des Jahres 1918 trat Wachenheim wegen ihrer Heirat mit dem Chemiker Heinrich Müller aus dem Unternehmen aus. Der gesellschaftliche Konsens in der damaligen Zeit war, dass eine Berufstätigkeit nicht mit der Rolle als Frau und Mutter vereinbar sei. Die Familie emigrierte in den 1930er-Jahren in die USA. Über den weiteren Werdegang von Lili Wachenheim sowie über ihr Sterbedatum und den Sterbeort liegen leider keine Informationen vor.

Quellen

BASF SE: Die Anilinerinnen, Broschüre, Ludwigshafen, 2017

Hinweis

Die in dieser Reihe veröffentlichten Texte erheben nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Veröffentlichung. Autoren und andere beteiligte Personen sind keine wissenschaftshistorischen Expert*innen. Zweck der Reihe ist es, die meist unbekannten Chemikerinnen vorzustellen und an die bekanten Chemikerinnen zu erinnern. Leser*innen, die mehr wissen wollen, möchten wir ermutigen, wissenschaftliche Quellen zu den vorgestellten Frauen zu studieren. In einigen Fällen gibt es ausführliche chemiehistorische Arbeiten.

Autoren

Prof. Dr. Eberhard Ehlers
Prof. Dr. Heribert Offermanns

Redaktionelle Bearbeitung

Dr. Uta Neubauer

Projektleitung

Dr. Karin J. Schmitz (GDCh-Öffentlichkeitsarbeit)

Verantwortlich für den Inhalt der Biographien sind die Autoren.
Die auf diesen Seiten dargestellten Inhalte sind sorgfältig erarbeitet. Autoren, Redaktion und Herausgeber übernehmen dennoch keine Verantwortung oder Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Inhalte oder für Tippfehler.

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