Koryphäe der anorganischen Chemie

Annelore Köster-Pflugmacher (1919–2002)

Eberhard Ehlers et al.

05.09.2021

Bor, Germanium und die Halogene: Diese Elemente standen im Fokus der Forschung von Annelore Köster-Pflugmacher. Als Chemieprofessorin an der RWTH Aachen übte sie zudem eine umfangreiche Lehrtätigkeit aus.

Annelore Köster-Pflugmacher (geb. Trapp) kam am 19. März 1919 im ostpreußischen Königsberg (heute russisch Kaliningrad) auf die Welt. Nach dem Abitur studierte sie Chemie an der Königsberger Albertus-Universität. Ihre Dissertationsarbeit über Siliziumiodide fertigte sie bei Robert Schwarz (1887-1963) am dortigen Institut für anorganische Chemie an. Am 21. November 1942 wurde sie zum „Doktor der Naturwissenschaften“ promoviert.

Während ihres Studiums lernte sie Dieter Pflugmacher kennen, den sie 1941 heiratete. Der Zweite Weltkrieg machte sie aber binnen kurzer Zeit zur Witwe. Ihr Ehemann fiel im Juli 1943.

Von Juli 1942 bis November 1944 arbeitete Pflugmacher als wissenschaftliche Assistentin am chemischen Institut der Universität Königsberg. Kurz vor dem Einmarsch russischer Truppen floh sie 1945 in den Westen. In Aachen fand Pflugmacher schließlich eine neue berufliche Heimat. Sie war ihrem Doktorvater gefolgt, der 1948 einen Ruf an die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen als Ordinarius für anorganische Chemie und Elektrochemie angenommen hatte. Im April 1950 erhielt Pflugmacher eine Festanstellung als wissenschaftliche Assistentin an der RWTH, wo sie 1953 ihre Habilitationsschrift unter dem Titel „Zur Kenntnis der Bromoxyde“ einreichte. 1960 wurde sie auf eine außerplanmäßige Professur berufen und 1961 zur Wissenschaftlichen Rätin an der RWTH ernannt. In dieser Zeit lernte sie den Chemiker Alfred Köster kennen, den sie 1962 heiratete. Zwei Jahre später zog das Paar nach Langenfeld im Rheinland.

In ihrer Forschung konzentrierte sich Köster-Pflugmacher auf die Oxide des Broms und die Halogenide des Bors sowie auf die metallorganischen Verbindungen des Germaniums. Als Analysenmethode nutzte sie vor allem die Röntgenfluoreszenzspektroskopie. An der RWTH übte sie auch eine umfangreiche Lehrtätigkeit aus, da die chemische Ausbildung für Studierende des Maschinenbaus und anderer Fachrichtungen in ihren Aufgabenbereich fiel. Darüber hinaus betreute sie die Chemievorlesungen für das höhere Lehramt. Von 1961 an war Köster-Pflugmacher zudem Herausgeberin der deutschsprachigen Neuauflagen des Lehrbuchs „Qualitative Schnellanalyse der Kationen und Anionen“ von Gaston Charlot (1904-1994), dem Begründer der modernen analytischen Chemie in Frankreich.

Im März 1981 trat Köster-Pflugmacher in den Ruhestand. Die RWTH Aachen würdigte ihre Habilitationsschrift im Jahr 2010 im Kalender „100 Jahre Frauenstudium an der RWTH“. Annelore Köster-Pflugmacher wurde 83 Jahre alt und lebte bis zu ihrem Tod in Langenfeld. Sie verstarb am 12. August 2002.

Quellen

  • H. Werner: Geschichte der anorganischen Chemie, Wiley & Sons, Weinheim, 2016, S. 158
  • Gedächtnis der RWTH Aachen, Alma Mater Aquensis, Sonderband 1870-1995, S. 71

Hinweis

Die in dieser Reihe veröffentlichten Texte erheben nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Veröffentlichung. Autoren und andere beteiligte Personen sind keine wissenschaftshistorischen Expert*innen. Zweck der Reihe ist es, die meist unbekannten Chemikerinnen vorzustellen und an die bekanten Chemikerinnen zu erinnern. Leser*innen, die mehr wissen wollen, möchten wir ermutigen, wissenschaftliche Quellen zu den vorgestellten Frauen zu studieren. In einigen Fällen gibt es ausführliche chemiehistorische Arbeiten.

Autoren

Prof. Dr. Eberhard Ehlers
Prof. Dr. Heribert Offermanns

Redaktionelle Bearbeitung

Dr. Uta Neubauer

Projektleitung

Dr. Karin J. Schmitz (GDCh-Öffentlichkeitsarbeit)

Verantwortlich für den Inhalt der Biographien sind die Autoren.
Die auf diesen Seiten dargestellten Inhalte sind sorgfältig erarbeitet. Autoren, Redaktion und Herausgeber übernehmen dennoch keine Verantwortung oder Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Inhalte oder für Tippfehler.

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